Niedrige Füllstände: Befüllung der Gasspeicher zur nächsten Heizsaison wird zur Herausforderung
Am 1. Februar 2026 müssen die Gasspeicher in Deutschland einen Füllstand von 30 Prozent aufweisen. Diese gesetzliche Vorgabe wird absehbar erreicht, allerdings wird bis zum Ende der Heizperiode ein weiteres Absinken erwartet. Für den Winter 2026/2027 sieht die Gas- und Wasserstoffwirtschaft daher große Herausforderungen.
Mit knapp 94 TWh oder einem Füllstand von knapp 35 Prozent liegen die Gasspeicher für Deutschland aktuell im Bereich des Krisenjahres 2022 nach dem Ausfall der russischen Gaslieferungen. Dr. Timm Kehler, Vorstand des Verbandes Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft, sieht allerdings große Unterschiede im Vergleich zu vor vier Jahren. „Dank der LNG-Infrastruktur an Deutschlands Nord- und Ostseeküsten sowie neuer Pipelineverbindungen kann die Gaswirtschaft kurzfristig auf Bedarfe reagieren. Deutschland hat in den letzten Jahren wichtige Maßnahmen zur Stärkung der Versorgungssicherheit unternommen. Die Gasspeicher bilden weiterhin die Versicherung für eine zuverlässige Versorgung in kalten Wintern wie diesem. Resilienz entsteht aber nicht durch Speicher allein, sondern durch Speicherfüllstände. Daher ist die Befüllung für den kommenden Winter die zentrale Herausforderung. Leere Gasspeicher sind wie eine Versicherung ohne Deckung.“
Insgesamt ruht die Versorgungssicherheit in Deutschland auf mehreren Säulen: diversifizierten Gas-Importquellen, einer leistungsfähigen Infrastruktur und einem ausgewogenen Speicherportfolio. Die aktuelle Situation bei den Gasspeichern ist allerdings Ausdruck eines regulatorischen Dilemmas: „Der Staat gibt in seiner Verantwortung für Versorgungssicherheit Füllstandsvorgaben vor, wälzt das wirtschaftliche Risiko aber auf die Speicherbetreiber ab. Für Gashändler ist der Vorhalt von Gas, das nur in Ausnahmefällen benötigt wird, allerdings kein sinnvolles Geschäftsmodell. Stilllegungen von Speicher drohen, der Versicherungsschutz schwindet“, so Kehler. Das Beratungsunternehmen Frontier Economics hat im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie in einer Studie im vergangenen Herbst bereits festgestellt, dass die Füllstandsvorgaben im Jahr 2022 zwar eine effektive Notfallmaßnahme waren, heute aber zu spürbaren Marktverzerrungen führen.
Der Blick auf die nächste Heizsaison offenbart die Herausforderungen: Im vergangenen Sommer mussten rund 125 TWh Gas für den Winter 2025/2026 eingespeichert werden, um die Füllstandsziele zu erreichen. Aktuell liegt der Füllstand deutlich unter dem Vorjahreswert. Sollte sich der Trend fortsetzen, so müsste im kommenden Sommer fast 50 Prozent mehr Gas als im letzten Jahr eingespeichert werden.
Aus Sicht der Gas- und Wasserstoffwirtschaft werden daher ein verlässlicher regulatorischer Rahmen und marktliche Anreize für die Speicherbefüllung benötigt. In den europäischen Nachbarländern wie in Frankreich, Italien oder Österreich wurden deshalb weitreichende und effiziente Marktregeln definiert, die den im Wettbewerb stehenden Händlern Anreize geben, auch für extreme Situationen Gas vorzuhalten. Vergleichbare Regeln sind dringend in Deutschland einzuführen. „Die Bundesregierung braucht ein klares Konzept, um die Befüllung und Bewirtschaftung der Gasspeicher sicherzustellen. Hier lohnt der Blick ins europäische Ausland“, fordert Kehler. „Im Moment sind die Händler gefangen zwischen staatlichen Vorgaben und dem Wunsch der Bundesregierung, die Kräfte des Marktes walten zu lassen. Es ist wichtig, diesen Widerspruch zu lösen, um die Versorgung zu sichern und gleichzeitig die Kosten zu begrenzen.“






