Geothermie-Pionierarbeit in Schwerin: Wie sich die Stadtwerke Schwerin auf die Wärmewende vorbereiten
Die Anlage verbindet mitteltiefe Geothermie mit Hochleistungswärmepumpen zur klimaschonenden Fernwärmeversorgung und spart damit jährlich rund 7.500 Tonnen CO2 ein. Auf dem regionalen Level ist es damit ein fossilfreies, wirtschaftliches und auch zukunftsweisendes Projekt der kommunalen Wärmeplanung.
In Schwerin fließt auf etwa 1.300 Metern Tiefe 56 °C warmes, salzhaltiges Thermalwasser durch einen porösen Sandstein, der sich vor 200 Millionen Jahren abgelagert hat. Über eine Förderbohrung wird diese Sole an die Oberfläche gebracht und gefiltert. Über Wärmetauscher wird die Wärme ausgekoppelt und anschließend durch vier Hochleistungswärmepumpen auf bis zu 82 °C erhöht. Diese Temperatur wird an ein geschlossenes Heizsystem übergeben. „Mit unserer ersten Geothermie-Anlage sind wir einen entscheidenden Schritt in Richtung klimaneutrale Wärmeversorgung gegangen“, meint Hanno Nispel, Geschäftsführer Stadtwerke Schwerin.
Dieses Projekt sei kein Einzelereignis, sondern der Auftakt für eine tiefgreifende Transformation.“ Als Stadtwerk sehen wir uns in der Verantwortung, die Wärmewende aktiv zu gestalten: verlässlich, nachhaltig und im engen Schulterschluss mit der Landeshauptstadt Schwerin. Die nächsten Jahre werden anspruchsvoll, aber wir arbeiten bereits an neuen Lösungen und werden diese konsequent umsetzen,“ so Nispel weiter.
Wärmepumpen als Herzstück der Fernwärmeerzeugung
Die Kombination aus Geothermie und Hochtemperatur-Wärmepumpen wurde exakt auf die geologischen Bedingungen im Norddeutschen Becken angepasst. Ein besonderes Merkmal der Anlage ist der Einsatz von vier in Reihe geschalteten Wasser-Wasser-Wärmepumpen. Sie steigern die Temperatur des Heizwassers ausreichend für den Sommerbetrieb des Fernwärmenetzes. Im Winter wird die Temperatur im
benachbarten Heizkraftwerk auf maximal 130 °C erhöht. Dass das Projekt erfolgreich umgesetzt werden konnte, ist auch dem überdurchschnittlich ergiebigen Sandstein-Aquifer zu verdanken. Die Soletemperatur lag mit 56 °C über den erwarteten 50 °C. Zugleich brachte der lockere Sandstein aber auch Herausforderungen mit sich. Unerwartet hohe Sandfrachten in der Sole machten zusätzliche Filter erforderlich.
Modellstandort Schwerin
Die Erfahrungen aus Planung, Bau und Betrieb fließen in das Verbundprojekt DeCarbSN ein, an dem u. a. die Universität Göttingen und das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik beteiligt sind. Das Ziel ist es, die mitteltiefe Geothermie im Norddeutschen Becken weiterzuentwickeln und andere Regionen mit vergleichbarer Geologie zu erschließen.








