130 JAHRE HERZ
Vom kleinen Wiener Betrieb bis zur international führenden Unternehmensgruppe in der Gebäudetechnik spannt sich eine Geschichte voller Innovation, Spezialisierung und gesellschaftlicher Verantwortung. Ganze 130 Jahre liegen zwischen der Gründung der Armaturenfabrik mit 12 Mitarbeitern im zehnten Wiener Gemeindebezirk - Gebauer & Lehrner KG - und dem heute internationalen Komplettanbieter für die Gebäudetechnik mit 3.100 Beschäftigte - die HERZ Gruppe. HERZ verbindet unternehmerischen Erfolg mit nachhaltigem Engagement – sichtbar in der Gründung der gemeinnützigen HERZ Stiftung, die die Zukunft der Branche aktiv fördert.
Die Anfänge 1896–1914: Gebauer & Lehrner KG in der Herzgasse
Die Wurzeln von HERZ liegen im Jahr 1896: Franz Gebauer und Viktor Lehrner gründeten „Gebauer & Lehrner KG“ in der Herzgasse, Wien, mit zwölf Mitarbeitern. Schnell wuchs das Unternehmen: Vor dem Ersten Weltkrieg arbeiteten bereits 300 Personen und es wurden über 1.300 Produkte angeboten. Von Sanitär- und Feinarmaturen, Heizungs- und Gasarmaturen bis hin zu Schankständern, Badewannen und Badeöfen. Diese wurden im gesamten Gebiet der damaligen Monarchie abgesetzt. Besonders typisch für die damalige Zeit war, dass fast jede Stadtverwaltung ihre eigenen Armaturenmodelle begehrte, sodass beispielsweise rund 60 verschiedene Auslaufhähne erzeugt wurden.
Da es zur damaligen Zeit technische Zeichnungen für jedes Detail nicht vorhanden waren, wurden die Prototypen in reiner Handarbeit zunächst aus Holz gefertigt. Wenn diese gepasst haben, wurden sie anschließend in der Produktion in Sand geformt und danach in der Gießerei gegossen. Der Transport in die nähere Umgebung erfolgte bis zum Jahre 1936 mit Pferdefuhrwerken - der Stall und das Heulager für vier Pferde befanden sich direkt im Werksgebäude.
Kriegsjahre und Exportorientierung: 1914–1950er
Die schwierigen politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse während des Ersten Weltkrieges und der Zwischenkriegszeit lies die Belegschaft auf 120 Mitarbeiter schrumpfen. Die Produktion lief jedoch bis zum Zweiten Weltkrieg weiter. Während des Zweiten Weltkriegs wurde die zivile Armaturenproduktion verboten und das Unternehmen wurde aufgefordert Torpedozünder für den Bedarf der deutschen Kriegsmarine zu produzieren. Altmetallsammler lieferten damals ganze Wagenladungen an Patronenhülsen und Metallschrott bei Gebauer & Lehrner ab. Das Material wurde eingeschmolzen und weiterverarbeitet, da Messing – der zentrale Werkstoff für Armaturen – auch in Patronen- und Granathülsen enthalten ist.
Zum Antreiben der Maschinen wurde die Transmissionstechnik verwendet: Eine Dampfmaschine betrieb die unter der Decke angebrachten Wellen (siehe Foto rechts oben). An den Stellen, an denen eine Maschine anzutreiben war, wurde das Rad auf der Welle mittels eines Transmissionsriemens aus Leder mit dem Rad der anzutreibenden Maschine verbunden. Somit konnten die Maschinen in Gang gesetzt werden. Nach dem Krieg übernahm Viktor Lehrner den Alleinbesitz. In den 1950er Jahren trat sein Sohn Dr. Richard Lehrner die Unternehmensleitung an und führte die Spezialisierung auf Heizungsarmaturen ein. Somit konnte mit der Serienproduktion und einer konsequenten Exportorientierung begonnen werden.
Modernisierung und Krise: 1960–1970er
Der Plan der Spezialisierung auf Heizungsarmaturen ging auf: Bereits Anfang der 1960er Jahre zeigten sich die ersten Exporterfolge und das Unternehmen verkaufte weltweit 800.000 Heizungsventile. In den 70er Jahren stieg der Absatz sogar europaweit auf 1,8 Millionen Ventile. Das HERZ Logo setzte sich als Marke durch. Nachdem Dr. Richard Lehrner in Pension trat, erfolgte die Umfirmierung in HERZ Armaturen AG.
Für Dr. Richard Lehrner war während seiner Tätigkeit eines wichtig: Seine Mitarbeiter. Er setze stark auf deren Motivation und Unterstützung und entwickelte ein Mitarbeiterbeteiligungsmodell, wodurch die Mitarbeiter direkt vom Unternehmenserfolg profitieren konnten. Dabei wurde durch ein Bewertungssystem für jeden Mitarbeiter Punkte vergeben, die die Höhe der Gewinnbeteiligung bestimmten. Das Modell fand hohe Beachtung, wurde in Abschlussarbeiten als Fallstudie behandelt und in Magazinen wie Profil und Trend über mehrere Seiten vorgestellt.
Dann kam die Ölkrise 1973. Investitionen sanken, Verkaufszahlen brachen ein und das einst führende Unternehmen stand am Rande des wirtschaftlichen Abgrunds. Eine Rettung schien unmöglich, denn kaum jemand glaubte, dass HERZ die kommenden Jahre überleben würde.
In den 1980er übersiedelte das Unternehmen in die heutige Firmenzentrale in der Richard-Strauss-Straße im 23. Wiener Gemeindebezirk und es wurde nach einem neuen Eigentümer gesucht. 1989 trat Gerhard Glinzerer in dieses scheinbar aussichtslose Szenario ein. Belächelt von der Konkurrenz übernahm er gemeinsam mit seinen Partnern HERZ Armaturen, das viele bereits abgeschrieben hatten. 1994 wurde er Alleineigentümer von HERZ. Unter seiner Führung gelang es, das Unternehmen zu stabilisieren, die internationale Expansion voranzutreiben und HERZ langfristig zu einem weltweit erfolgreichen, innovativen Partner in der Gebäudetechnik zu machen.
Die 1990er Jahre brachten die Umwandlung in eine GmbH, die Gründung zahlreicher Vertriebsgesellschaften und den Aufbau einer weltweiten Marktpräsenz. In den 2000er Jahren folgten Fabrikneubauten und die Übernahme weiterer Hersteller gebäudetechnischer Ausrüstung im In- und Ausland. Den erfolgreichen Aufstieg von HERZ Armaturen unter seiner Führung beschreibt Gerhard Glinzerer wie folgt: "Die Auflösung des Sowjetimperiums und die Freiheit für die osteuropäischen Satellitenstaaten ermöglichten ein rasches Wachstum, vor allem in Osteuropa, Russland und Zentralasien. Über die Jahre entstand so ein Firmenkonglomerat mit mehr als 3.000 Mitarbeitern, zahlreichen Produktionsstätten und Vertriebsgesellschaften mit weltweiten Aktivitäten".
Diversifizierung und Sortimentserweiterung: 2010–2020
Die 2010er Jahre standen bei HERZ im Zeichen von Expansion und Innovation. Die Produktpalette wurde konsequent erweitert, um als Komplettanbieter in der Gebäudetechnik alle Anforderungen abdecken zu können.
2010 übersiedelte HERZ Energietechnik von Sebersdorf nach Pinkafeld, um sich räumlich zu vergrößern und der wachsenden Nachfrage gerecht zu werden. Das Portfolio reicht von Hackschnitzel- und Pelletanlagen über Holzvergaserkessel bis hin zu Wärmepumpen.
Durch den Zukauf von BINDER Energietechnik in Bärnbach wurde das Angebot im Bereich Biomasse-Anlagen auf bis zu 10.000 kW erweitert. Damit lassen sich sowohl die Versorgung von kleinen Stadtteilnetzen als auch großflächige Versorgungssysteme realisieren. BINDER setzt auf modulare Vormontage: Warmwasser-, Heißwasser- und Dampfkessel werden werkseitig vorbereitet, inklusive Vorschamottierung, sodass alle Komponenten passgenau aufeinander abgestimmt sind. Dies reduziert Montageaufwand auf der Baustelle und ermöglicht eine direkte, fehlerfreie Inbetriebnahme.
Zuletzt erfolgte die Übernahme der Mehrheitsanteile an der HIRSCH Servo Gruppe mit Stammsitz in Glanegg und zahlreichen europäischen Produktionsstätten. HIRSCH ist europäischer Marktführer in der Herstellung von Porozell-Dämmstoffen und Verpackungen. Darüber hinaus produziert das Unternehmen Maschinen und Werkzeuge für Formteile aus EPS und EPP – etwa Noppenplatten für Fußbodenheizungen oder Fassadendämmungen.
Mit diesen Investitionen stärkte HERZ nicht nur sein Sortiment, sondern sicherte auch Arbeitsplätze in Österreich – ein klares Bekenntnis zu den Wurzeln des Unternehmens und zur heimischen Wirtschaft.
HERZ investiert in die Zukunft: Die gemeinnützige HERZ-Stiftung 2025
Anfang 2025 brachte Gerhard Glinzerer die gesamte HERZ Gruppe in die gemeinnützige HERZ-Stiftung ein. "Zahlreiche Mitarbeiter hatten am Erfolg mitgewirkt und ich fühlte mich Ihnen auch verbunden. Zur langfristigen Sicherung der HERZ Gruppe und im Sinne der Mitarbeiter, Kunden sowie Lieferanten kam die Idee einer gemeinnützigen Stiftung ins Spiel, die umgesetzt wurde", äußert sich Gerhard Glinzerer gegenüber der HERZ News.
Die gemeinnützige HERZ-Stiftung verfolgt das Ziel, die Zukunft der Gebäudetechnik aktiv zu fördern - durch die Unterstützung von Berufsschulen, HTLs, Fachhochschulen und Universitäten sowie durch die Förderung des Nachwuchses und der Weiterbildung in der Branche. Gewinne aus den Aktivitäten der Unternehmensgruppe fließen somit wieder in die Branche zurück und zwar an jene, die die Gebäudetechnik von morgen gestalten: Lehrlinge, Schüler, Studierende und Fachkräfte.
Zudem stellt die gemeinnützige HERZ-Stiftung sicher, dass die Unternehmensgruppe als eine Einheit weiterhin besteht. "Die Stiftung sichert und hält zusammen, was aus heutiger Sicht zusammengehört und generiert in Zusammenarbeit der Beteiligungsunternehmen einen Mehrwert für die gesamte Branche" sagt Gerhard Glinzerer. Für die Kunden und Partner bedeutet dies langfristige Verlässlichkeit, Kontinuität und die Gewissheit, mit einem Partner zusammenzuarbeiten, der wirtschaftlichen Erfolg mit gesellschaftlicher Verantwortung verbindet.
Heute: HERZ als internationale Gruppe
Heute zählt die HERZ Gruppe 44 Produktionsstätten in 12 europäischen Ländern, weltweit 50 Tochtergesellschaften, rund 3.200 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von rund 600 Millionen Euro. Unter der Führung von Gerhard Glinzerer hat HERZ seine Position als eines der erfolgreichsten Unternehmen der Gebäudetechnik international gefestigt – mit einer klaren Verbindung von Innovation, Qualität und gesellschaftlichem Engagement.
Gemeinsam Zukunft ermöglichen
Unterstützung hatte bei HERZ schon lange Tradition, noch bevor sie einen Namen bekam. So stellt HERZ Lehrbücher in 13 Sprachen für HTLs und Universitäten zur Verfügung, unterstützt Bildungseinrichtungen mit Laborständen und Produkten und bietet Schulungen für Schüler, Lehrlinge und praktizierende Fachkräfte an. Was HERZ seit jeher prägt, wird mit der gemeinnützigen HERZ Stiftung fortgeführt.
Die gemeinnützige HERZ Stiftung wurde 2025 gegründet – aus der Überzeugung heraus, dass unternehmerischer Erfolg auch Verantwortung mit sich bringt. Ende März 2026 wird erstmals eine Dividende an die gemeinnützige HERZ Stiftung fließen. Ab der zweiten Jahreshälfte 2026 stehen diese Mittel für Förderungen im Einklang mit den Stiftungsstatuten zur Verfügung.
Nun möchten wir diesen Weg gemeinsam mit Ihnen weiterdenken. Wir laden unseren Leserkreis HERZlich ein, Vorschläge für förderungswürdige Projekte und Initiativen per Mail an stiftung@herz.eu einzubringen.
Gemeinsam können wir dort ansetzen, wo Förderung Wirkung zeigt – heute und für morgen.










