Denkschubser   |   

Ein guter Einfall ist wie ein Hahn am Morgen. Gleich krähen andere Hähne mit.    K. H. Waggerl

28.11.2020

Meldung

17.11.2020: Betriebsunterbrechung, Stilllegung und Wiederinbetriebnahme von Trinkwasser-Installationen

Spülen der Anlagen hat höchste Priorität
Bildnachweis Istock (akinshin)

Nach dem erneuten Lockdown im November ist die Aufrechterhaltung der Trinkwasserhygiene in Gebäuden aller Couleur wieder ein wichtiges Thema geworden. Was ist jedoch zu tun, um die Trinkwassergüte sicherzustellen oder nach dem Ende des Ausnahmezustands wieder herzustellen?

Übertragung des Corona-Virus über Trinkwasser scheint ausgeschlossen

In der Stellungnahme des Umweltbundesamts (UBA) vom 12. März 2020 heißt es u. a., dass „Trinkwässer, die unter Beachtung der allgemein anerkannten Regeln der Technik gewonnen, aufbereitet und verteilt werden, sehr gut gegen alle Viren, einschließlich Coronaviren, geschützt sind. Eine Übertragung des Corona-Virus über die öffentliche Trinkwasserversorgung ist nach derzeitigem Kenntnisstand höchst unwahrscheinlich.“

 

Die zur Eindämmung der Pandemie einzuhaltenden Maßnahmen haben jedoch Einfluss auf Trinkwasseranlagen. Fast 200 Schulen haben im November schon wieder schließen müssen. Veranstaltungsorte bleiben, wie Hotels und Gastronomie, bis 30.11. (heutiger Stand) geschlossen. Entsprechend sind bei Betriebsstilllegungen oder Betriebsunter-brechungen von Trinkwasser-Installationen doch einige vorbeugende Maßnahmen zu beachten. Die anschließende Wiederinbetriebnahme nach längerer Stilllegung bedarf sogar besonderer Maßnahmen.

Genau genommen sind Nutzungsunterbrechungen in Liegenschaften eine wiederkehrende Gegebenheit. Doch diese rückt momentan durch die Coronapandemie in den Fokus. Ein Beispiel dafür: Die Trinkwasserversorgungsanlagen von Schulen werden während der Ferien schon immer für eine gewisse Zeit (wenige Tage oder/und ein bis zu sechs Wochen) stillgelegt. Ähnliches gilt für Kitas und Kindergärten.

Doch in dieser Corona-Notsituation besteht auch in anderen Liegenschaften (Büro- und  Fabrikationsgebäuden) die Gefahr, dass ein bestimmungsgemäßer Betrieb nach den allgemeinen Regeln der Technik - wie definiert z. B. in VDI/DVGW 6023, DIN 1988-200 oder DIN EN 806-5 - nicht sichergestellt werden kann. Deshalb ist eine Sensibilisierung und Aufklärung der Betreiber bei der aktuellen Lage sehr wichtig.

Zwei Faktoren beeinflussen in besonderem Maße die Trinkwassergüte in der  Gebäudetechnik: regelmäßiger Wasseraustausch und Temperaturhaltung. Auch der Werkstoff der Trinkwasserleitungen und die regelmäßige Wartung spielen eine Rolle. Hinzu kommen aktuell geänderte Betriebsbedingungen. Es empfiehlt es sich als ad hoc Maßnahme einen Spülplan nach Liegenschaft und den Stilllegungszeiten zu erarbeiten.

Wann spricht man von einer Betriebsunterbrechung?

Eine Nichtnutzung von mehr als 72 Stunden stellt eine Betriebsunterbrechung dar und ist zu vermeiden. Soweit nachgewiesen werden kann, dass die Trinkwasser-beschaffenheit nach TrinkwV über längere Zeiten der Nichtnutzung erhalten bleibt und die Gebäude keinen besonderen Anforderungen unterliegen, darf diese Frist auf maximal sieben Tage verlängert werden.

Eine längere Betriebsunterbrechung ist ein nicht bestimmungsgemäßer Betrieb der Trinkwasser-Installation. Bei längerer Verweilzeit des Wassers in der Trinkwasser-Installation kann die Wasserbeschaffenheit durch Vermehrung von Mikroorganismen und in Lösung gehende Werk- und Betriebsstoffe beeinträchtigt werden.

Mögliche Maßnahmen bei vorübergehenden Stilllegungen

 

1 Das Entleeren der Trinkwasser-Installation ist nach Möglichkeit zu vermeiden, da der Eintrag von Verschmutzungen und Verkeimungen dadurch gefördert wird. Zudem besteht bei metallenen Werkstoffen in teilentleerten Anlagen die Gefahr der Dreiphasenkorrosion.

Spülplan

Zur Aufrechterhaltung des bestimmungsgemäßen Betriebs ist durch den Betreiber (veranlasst/automatisiert) mindestens alle 72 Stunden an allen Entnahmestellen Trinkwasser (kalt und warm) zu entnehmen. Steht kein Haustechniker oder Hausmeister für diese Arbeiten zur Verfügung, sollte ein SHK Fachbetrieb für das regelmäßige Spülen beauftragt werden. Ist der Betreiber der Anlage nicht in der Lage einen solchen Spülplan umzusetzen, so sollte er die Trinkwasser-Installation an der Hauptabsperreinrichtung schließen und die Trinkwasser-Installation mit allen Komponenten (Trinkwasser kalt und warm) vorübergehend außer Betrieb setzen.

Eine Option wäre eine temporär installierte Spülstation oder sogar die Nachrüstung einer solchen Lösung. Nur neuere Trinkwasser-Installationen dürften mit sogenannten "Hygienestationen" ausgestattet sein. Grundsätzlich sind für alle Maßnahmen an Anlagen entsprechende Nachweise an den Betreiber auszuhändigen.

Vorgehensweise bei der Wiederinbetriebnahme einer Trinkwasser-Installation

 

Wiederinbetriebnahmen nach längerer Unterbrechung

Es ist ratsam in hygienisch besonders sensiblen Liegenschaften, wie Schulen, Kitas/Kindergärten etc., auch schon früher als in den vorgegebenen sechs Monate eine Untersuchung des Trinkwassers (Legionellenbeprobung) durchzuführen.

 

Zu beachten ist  jedoch: Jede Liegenschaft ist anders zu betrachten. Darauf sind die Maßnahmen abzustimmen.

Hotels

Mussten komplett schließen, der Termin für die Wiederöffnung steht noch nicht fest. Deshalb wäre es wichtig einen Spülplan zu erstellen.

Bürogebäude

Sie werden teilweise nur noch von wenigen Mitarbeitern benutzt, Thema Homeoffice. Sehr selten oder fast nie, werden diese Liegenschaften komplett stillgelegt. Deshalb gilt auch hier die Empfehlung, einen Spülplan zu erstellen.

Öffentliche Einrichtungen und große Liegenschaften

 

Für Schulen, Kitas, Kindergärten, Sporthallen, Sportstätten sowie große Liegenschaften, wie Eventanlagen, Konzert- und Messehallen, sollten entsprechende Pläne aufgrund der ohnehin wechselnden Nutzung bereits vorliegen. Das gilt auch für Fabrikationsgebäude bei Werksferien.

Die rechtlichen Aspekte

Laut § 4 der TrinkwV muss das an die Verbrauchsstellen zu transportierende Trinkwasser so beschaffen sein, dass durch seinen Genuss oder Gebrauch eine Schädigung der menschlichen Gesundheit, insbesondere durch Krankheitserreger, nicht zu besorgen ist. Das wichtigste Lebensmittel muss hygienisch rein und genusstauglich sein. Diese Anforderungen gelten als erfüllt, wenn bei der Wassergewinnung, der Wasseraufbereitung und der Wasserverteilung mindestens die allgemein anerkannten Regeln der Technik eingehalten werden und das Trinkwasser den Anforderungen der
§§ 5 bis 7a der TrinkwV entspricht. In der AVBWasserV (§ 12 Kundenanlage) heißt es:

 

„Die Anlage darf nur unter Beachtung der Vorschriften dieser Verordnung... sowie nach den anerkannten Regeln der Technik errichtet, erweitert, geändert und unterhalten werden."

Nicht immer bekannt ist: Die Eigentümer, Anlagenbesitzer und Betreiber von sanitärtechnischen Anlagen sind nach VDI 3810 (Blatt 1) verpflichtet, die Anlage nach den anerkannten Regeln der Technik bestimmungsgemäß zu betreiben und in ordnungsgemäßen Zustand zu erhalten. Weiter heißt es: "Sanitärtechnische Anlagen sind für die Menschen von großer Bedeutung, weil davon das gesundheitliche Wohlbefinden abhängt. Es ist daher dringend erforderlich, dass diese Anlagen von den hierfür Verantwortlichen in einem technisch und hygienisch einwandfreien Zustand erhalten werden."

Schlusswort

Not sollte erfinderisch machen. Das gilt jedoch nicht bei der Erhaltung der Trinkwassergüte im Krisenfall. Hier darf es keine Kompromisse geben. Solange nicht hierfür besondere Hinweise gegeben werden (z.B. Abkochen, Verwendungs-einschränkung), muss und darf der Verwender auf die unbedenkliche Nutzung des Trinkwassers „aus dem Wasserhahn“ vertrauen. Man sollte auf bekannte und bewährte Methoden zurückgreifen. Doch neben den einzuleitenden Maßnahmen hat die Aufklärung zum Thema Betriebsunterbrechung, Stilllegung und Wiederinbetriebnahme von Trinkwasser-Installationen einen hohen Stellenwert.Gerade die Betreiber sind über die Maßnahmen zu informieren. Wenn alle an einem Strang ziehen, sollte die Gefährdung nach Ende der Pandemie durch nicht mehr hygienisch einwandfreies Trinkwasser in Liegenschaften auf ein sehr geringes Maß zu reduzieren sein.

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