Denkschubser   |   

Wovon man nicht sprechen kann, darüber muß man schweigen.    Ludwig Wittgenstein

01.06.2020

Meldung

08.05.2020: Endlich Klarheit beim Schallschutz von Abwassersystemen

Nur noch Schallschutzprüfberichte nach DIN 4109 sind relevant
Bildnachweis: Ridofranz/iStock/Getty Images Plus

Geprüft nach "DIN 4109 Schallschutz im Hochbau" oder nach "DIN EN 14366 Messung der Geräusche von Abwasserinstallationen im Prüfstand"? Ein altes leidiges Thema, da gerade in Marktübersichten von schalldämmenden Hausabfluss-Systemen beide Normen mit Werten für geprüfte Schallschutzpegel zum Vergleich herangezogen wurden. Doch mit welcher Norm kann der bauordnungsrechtliche Eignungsnachweis erbracht werden? Klarheit in dieser wichtigen Frage schafft die novellierte DIN EN 14366:2020-02, die jetzt als Weißdruck vorliegt.

Mit Prüfberichten und Aussagen auf Basis DIN EN 14366 verhält es sich ähnlich wie mit dem genormten Durchschnittsverbrauch von modernen Autos. Dieser wird entweder unter Idealbedingungen auf dem Motorenprüfstand oder in gewissen Fahrzyklen, die aber nur ansatzweise praxisgerecht sind, ermittelt. Diese Angaben dienen lediglich als Wert für einen genormten Vergleich des Kraftstoffverbrauchs von Modellen der verschiedenen Hersteller. Aber wie hoch der tatsächliche Verbrauch im realen Straßenverkehr ist, kann nur bedingt bestimmt werden, da er von vielen Faktoren (Geschwindigkeit, Lang- oder Kurzstrecke, Zuladung oder Fahrverhalten, Reifendruck etc.) abhängig ist. So kommen unter realistischen Bedingungen 20-30 % Mehrverbrauch dazu. Leider besteht bei einem solchen Procedere auch die Gefahr die Software zu manipulieren DIN EN 14366 legt lediglich ein Verfahren fest, mit dem in Abwasser- und Regenwasserinstallationen entstandener Luft- und Körperschall unter Laborbedingungen gemessen werden kann. Er ist aber nur auf Abwasser-Rohrleitungssysteme und deren Teile, jedoch nicht auf die eigentlichen Abwasserquellen, wie Waschräume, Toiletten und Badewannen oder alle aktiven Elemente (Waschbecken), anwendbar. Somit können die erhaltenen Ergebnisse lediglich für den Vergleich von Produkten und Werkstoffen verwendet werden und zur Einschätzung des Verhaltens von Abwassersystemen in einem Gebäude unter bestimmten Bedingungen dienen. Diese Norm liefert jedoch kein normiertes Verfahren zur Berechnung der akustischen Eigenschaften der Installationen. Sie liefert eher rein theoretische Werte.

Mindestanforderungen an den Schallschutz werden jedoch verbindlich eingefordert. Die dafür notwendigen, bauordnungsrechtlichen Grundlagen sind in DIN 4109 (Schallschutz im Hochbau) definiert. Diese Norm gilt zum Schutz von Aufenthaltsräumen gegen Geräusche aus haustechnischen Anlagen. DIN 4109 ist im Vergleich zur DIN EN 14366 eine Verwaltungsvorschrift "Technische Baubestimmung" (VVTB), die nach MBO § 15 Abs. 2 beachtet werden muss. Das Bauordnungsrecht fordert einen schallschutz-technischen Eignungsnachweis nach DIN 4109. Das bedeutet für die Bauaufgabe Sanitärinstallation, dass alle Geräusche verursachenden Einflussgrößen im Zusammenspiel betrachtet werden, also Geräuschentwicklungen aus Trink- und Abwasserinstallation gemeinsam.

Schallschutz ist eine werkvertraglich geschuldete Leistung. Das bedeutet: Die Herstellung einer Sanitärinstallation als funktionierendes Gesamtkonzept, das aus einer Vielzahl einzelner Komponenten hergestellt wird. Das fertige Produkt ist mit dem Baukörper fest verbunden. Daraus lässt sich ableiten, dass die Schallschutz-anforderungen durch die funktionale Gesamtheit zu erfüllen sind – und nicht durch einzelne Komponenten, wie ein Hausabfluss-System oder einen UP-Spülkasten.

Grundsätzliches zur DIN 4109

Gebäude müssen einen Schallschutz vorweisen, der ihrer Nutzung entspricht. Diese Forderung der Musterbauordnung wird in der Verwaltungsvorschrift "Technische Baubestimmung" über die DIN 4109 konkretisiert. Sie enthält Mindestanforderungen an die Luft- und Trittschalldämmung von Bauteilen, an haustechnische Anlagen sowie an Armaturen und Geräte der Wasserinstallation. Werden die in dieser Norm aufgeführten Grundsätze und Ausführungsanweisungen beachtet, ist davon auszugehen, dass der nach dem Bauordnungsrecht erforderliche Mindestschallschutz eingehalten wird. Die Norm besteht aus folgenden Teilen:

Teil 1: Mindestanforderungen
Teil 2: Rechnerische Nachweise der Erfüllung der Anforderungen
Teil 31 bis Teil 36: Bauteilkataloge
Teil 4: Bauakustische Prüfungen

Die Mindest-Anforderungen der DIN 4109-1:2018-01

Die kennzeichnende und maßgebende Größe für die Anforderungen an die Installationsgeräusche ist der A-bewertete Schalldruckpegel LAF, max,n

Wohn- und Schlafräume:   LAF,max,n < 30 dB(A)

Unterrichts- und Arbeitsräume:    LAF,max,n < 35 dB(A)

Anforderungen an einen erhöhten Schallschutz finden sich in DIN 4109:1989-11 Beiblatt 2, in DIN SPEC 91314:2017-01 oder im Entwurf E DIN 4109-5:2019-05.
DIN 4109-2:2018-01 enthält in Anlehnung an die Normenreihe DIN EN 12 354 Berechnungsverfahren zum Nachweis des geforderten Schallschutzes und verwendet die Kenn- und Bauteildaten aus Bauteilkatalogen (DIN 4109:2016-07, Teil 31 bis 36). In DIN 4109-36:2016-07 „Daten für den rechnerischen Nachweis für gebäudetechnische Anlagen“ stößt man auf die Prüfergebnisse von Abwasserleitungen nach DIN EN 14366.

Damit wird die normative Konstruktion erkennbar. Geräusche von Abwasserleitungen auf Basis DIN EN 14366 sind lediglich Eingangs- und Rechengrößen für die Berechnungsverfahren nach DIN 4109-2 oder DIN EN 12354-5. Alternativ können gesamte Bauaufgaben mit der Geräuschquelle Abwasserleitung nach den Prüfverfahren DIN 4109-4:2016-07 bewertet werden.

DIN 4109 bringt eindeutig zum Ausdruck, dass Trink- und Abwasserinstallationen nur gemeinsam zu bewerten sind, also beispielsweise auch Füllgeräusche im UP-Spülkasten oder das Ablaufgeräusch durch die WC-Keramik. Im Prinzip alles, was Geräusche verursacht, eben auch das Hausabfluss-System.

Prüfergebnisse nach DIN EN 14366 bewerten hingegen nur den Schalldruckpegel einer gleichmäßig konstanten Strömung in einer Fallleitung. Sie dienen lediglich als Eingangsgrößen für bauakustische Berechnungsverfahren. Als bauordnungsrechtlicher Eignungsnachweis können sie nicht verwendet werden. Das bringt auch die  novellierte
DIN EN 14366:2020-02 in wenigen Sätzen zum Ausdruck.

1. Änderung zum „Anwendungsbereich“

Bisher: „Die erhaltenen Ergebnisse können für den Vergleich von Produkten und Werkstoffen verwendet werden. Er kann zur Einschätzung des Verhaltens von Abwassersystemen in einem Gebäude unter bestimmten Bedingungen dienen. Diese Norm liefert jedoch kein normiertes Verfahren zur Berechnung der akustischen Eigenschaften solcher Installationen in einem Gebäude.“

Neu: „Die erhaltenen Ergebnisse können für den Vergleich von Produkten und Werkstoffen verwendet werden, können aber nicht als Werte verwendet werden, die vor Ort in Gebäuden erhalten wurden; Vor-Ort-Werte werden mithilfe der in EN 12354-5:2009, 5.5 beschriebenen Verfahrensweise prognostiziert, die Labordaten in Felddaten umwandelt, in dem angenommen wird, dass die Vor-Ort-Installation genau der im Prüfbericht beschriebenen entspricht.“

„Ergänzungen in Normative Verweisungen“

IN EN 12354-5:2009, Bauakustik — Berechnung der akustischen Eigenschaften von Gebäuden aus den Bauteileigenschaften — Teil 5: EN 12354-5 (Installationsgeräusche) wurde als Literaturhinweis aufgenommen.

Änderung zu Abschnitt 13 „Prüfbericht“

Der Prüfbericht muss eine Verweisung auf die Tatsache enthalten, dass die Prüfergebnisse nur für den im Prüfbericht beschriebenen Prüfgegenstand gelten und nicht zur Schätzung des durch die gleiche Installation vor Ort erzeugten Schalldruckpegels angewendet werden können; Vor-Ort-Werte können mithilfe der in EN 12354-5:2009, 5.5, beschriebenen Verfahrensweise prognostiziert werden, die Labordaten in Felddaten umwandelt."

DIN EN 14366 (linke Darstellung) legt lediglich ein Verfahren fest, mit dem in Abwasser- und Regenwasserinstallationen entstandener Luft- und Körperschall unter Laborbedingungen gemessen werden kann.Das Bauordnungsrecht fordert einen schallschutztechnischen Eignungsnachweis nach DIN 4109. Das bedeutet für die Bauaufgabe Sanitärinstallation r(echte Abbildung), dass alle Geräusche verursachenden Einflussgrößen im Zusammenspiel betrachtet werden, also Geräuschentwicklungen aus Trink- und Abwasserinstallation gemeinsam.

Schallschutz erfordert Sorgfalt

Entspannung, Erholung, Komfort, Ruhe und ein gewisses Mindestmaß an Privatsphäre sind die wesentlichen Grundbedürfnisse, die Bewohner an ihr Zuhause stellen, um sich von den täglichen Herausforderungen des hektischen Alltags zu erholen. Besonders der Schallschutz, als Schild vor äußeren und inneren Geräuschen, ist von erheblicher Bedeutung für die Wohn-, und damit Lebensqualität.

In DIN 4019 (Schallschutz im Hochbau) sind Anforderungen an den Schallschutz festgelegt. Außerdem ist das Verfahren zum Nachweis des geforderten Schallschutzes geregelt.

Geräusche aus haustechnischen Anlagen sind äußerst vielfältig. Zu möglichen Lärmquellen zählen: die Heizungsanlage, Abwasser- und Trinkwasserleitungen und Sanitärelemente sowie andere sanitäre Einrichtungen (Badewannen, Duschwannen etc.).

Im Neubau müssen bereits Decken, Wände und Durchführungen so dimensioniert werden, dass die später hinzu kommenden Versorgungs- und Entwässerungsleitungen gut integriert werden können, um für eine möglichst geräuscharme Installation zu sorgen. Viele Faktoren greifen dabei ineinander und machen den guten Schallschutz aus.

Jeder noch so kleine, direkte punktuelle Kontakt eines Installationsgegenstandes mit dem Baukörper ist bereits eine Schallbrücke und in der Lage, alle mit noch so großem Material- und Arbeitsaufwand erstellten Schallschutzmaßnahmen zunichte zu machen.

Zusammenfassung

Fakt ist: Was bisher Interpretationen bei der Aussagekraft und bei den Angaben der Messergebnisse  zuließ, wurde jetzt mit der Novellierung konkretisiert. Die bestehenden Prüfberichte auf Basis DIN EN 14366 entsprechen nicht mehr den novellierten Anforderungen. Es fehlt der Hinweis, dass die Ergebnisse nicht auf Vor-Ort-Situationen übertragen werden dürfen. Damit herrscht endlich Klarheit für TGA Fachplaner und SHK Betriebe, die schon immer einen Schallschutz nach DIN 4109 geschuldet haben. Denn: Nur mit Prüfergebnissen auf Basis der DIN 4109 kann der bauordnungsrechtlich geschuldete Eignungsnachweis erbracht werden

Ergebnisse DIN 4109 sind mit DIN EN 14366 nicht vergleichbar. Bei DIN 4109 (linke Darstellung) wird die komplette Bauaufgabe mit allen geräuschverursachenden Einflussgrößen der Sanitärinstallation gemessen. Bei DIN 14366 wird nur die Fallleitung als Geräuschquelle herangezogen. Es fehlen die Trinkwasser-Installation, Sanitärapparate, Spülkasten mit Füllgeräusch und die Geräusche der WC-Spülung.

 

Grundsätzliches zum Schallschutz in der Gebäudetechnik

 

Um ein Gebäude “leise zu bekommen“, bedarf es einer intensiven Zusammenarbeit aller am Bau Beteiligten, die mit Konzeption und Dimensionierung des Gebäudekörpers beginnt. Dazu gehört die Grundrissgestaltung, die Anordnung der Räume und die dementsprechende Ausprägung der Wände und Decken. Das setzt sich fort mit der Verwendung geeigneter Baustoffe bzw. der Ausprägung des Baukörpers. Haben tragende Innenwände beispielsweise keine ausreichenden Schalldämmwerte, können Schutzziele – auch bei Verwendung von modernsten Komponenten der technischen Gebäudetechnik – kaum erreicht werden.

Man unterscheidet zwischen Luft- und Körperschall. Bei Luftschall wird das Geräusch durch die Luft übertragen. Breitet sich der Schall hauptsächlich über den Baukörper, Anlagen und Installationen aus, spricht man vom Körperschall. Luftschall tritt in der Gebäudetechnik in erster Linie bei Abwassersystemen auf. Seiner Ausbreitung wird durch Masse – mit dickwandigen Rohrleitungen – entgegen gewirkt. Doch auch bei der Abwasserinstallation kann durch Schallbrücken – wenn die Rohre ohne Dämmung mit dem Baukörper in Berührung kommen oder durch eine mangelhaft ausgeführte Befestigung – Körperschall entstehen. Körperschallübertragungen (Schallbrücken) können physikalisch nicht komplett vermieden werden. Es lassen sich jedoch gute Ergebnisse erzielen, in dem die haustechnischen Installationen vom Baukörper akustisch entkoppelt werden. Das kann mit verschiedenen, technischen Lösungen erreicht werden.

Bauakustik und Raumakustik

Beide Begriffe sind verschiedene Teilgebiete der Akustik. Sie scheinen auf den ersten Blick artverwandt, müssen jedoch bezüglich ihrer Aufgabenstellung voneinander abgegrenzt werden. In der Raumakustik beschäftigt man sich mit der Ausbreitung von Schall in Räumen und den Eigenschaften der dabei auftretenden Schallfelder. Die Kernfrage lautet dabei oft: Durch welche Maßnahmen werden optimale Hörbedingungen in einem Raum geschaffen? Die Bauakustik beschäftigt sich hingegen mit den bautechnischen und bauphysikalischen Aspekten der Schallausbreitung zwischen Räumen und Flächen eines Gebäudes. Im Vordergrund stehen die schalltechnischen Eigenschaften von Bauteilen, Bausystemen und Baustoffen. Die entscheidende bauakustische Eigenschaft eines Bauteils ist die Schalldämmung. Im Wesentlichen geht es um die Fähigkeit von Bauteilen, wie Wänden, Decken, Türen und Fenstern, den Schallübergang zwischen zwei Räumen möglichst gering zu halten. In der Bauakustik lautet die Kernfrage: Welcher Anteil des Schalls kommt auf der anderen Seite eines Bauteils an und wie kann die Schallübertragung minimiert werden?

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