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19.09.2020

Meldung

28.01.2020: IWO: Wenn der Wind das Haus erwärmt

Gemeinde in Schleswig-Holstein setzt auf Hybridheizungen
Direkt an der Nordsee – also auch von viel Wind umgeben – liegt der Hof von Familie Nissen im Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog. Foto: IWO

An der Küste weht oft ein kräftiger Wind. Den nutzt die Gemeinde Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog im Nordwesten Schleswig-Holsteins mit ihrem Bürger-Windpark zur Erzeugung von grünem Strom. Rund 30 Windenergieanlagen produzieren hier Energie – für insgesamt rund 55.000 Haushalte. Mit dem Ökostrom betreiben die Bürger vor Ort nicht nur ihre elektrischen Geräte, einige nutzen ihn auch zum Heizen. Und zwar immer dann, wenn so viel Windstrom produziert wird, dass ihn das überregionale Stromnetz nicht mehr aufnehmen kann – und im Normalfall die Windenergieanlagen abgeregelt würden. So macht es auch der Bürgermeister des Ortes, Christian Nissen. Wie die meisten Einwohner im Koog, die in weit auseinander liegenden Höfen leben, heizt auch der Landwirt mit Öl – kombiniert mit grünem Strom in einem Hybridheizsystem. Damit reduziert er seinen CO2-Ausstoß um ein Vielfaches.

Das Haus, in dem der Bürgermeister mit seiner Familie lebt, wurde 1957 gebaut. 2006 bis 2019 wurde es nach und nach modernisiert. Dabei wurde auch die effiziente Öl-Brennwertheizung eingebaut. Die nutzt den Energiegehalt des Heizöls nahezu komplett aus und spart gegenüber der Vorgängeranlage bis zu 30 Prozent Energie und Kosten ein. Zusätzlich ist auf den Dächern neben einer Solarthermieanlage für Warmwasser und Heizungsunterstützung auch eine Photovoltaikanlage installiert, die Solarstrom produziert.

Neuer Brennstoff lässt CO2-Emission weiter sinken
Familie Nissen nutzt zudem im Rahmen eines Demovorhabens gemeinsam mit dem Institut für Wärme und Oeltechnik (IWO) ein neues, treibhausgasreduziertes Heizöl. Das lässt die CO2-Emissionen des Gebäudes weiter sinken. Der neue Energieträger wurde dem klassischen Heizöl im Tank beigemischt. Hergestellt wurde der Brennstoff durch die Hydrierung von Reststoffen biogenen Ursprungs, also beispielsweise aus Altspeisefetten. Somit steht der Energieträger nicht in Konkurrenz zur Nahrungsmittelherstellung.

Damit auch die Windenergie aus dem Bürger-Windpark zum Heizen genutzt werden kann, musste das Heizsystem von Bürgermeister Nissen um ein strombetriebenes Modul ergänzt werden: Das erwärmt immer dann den Wärmespeicher der Hybridheizung, wenn gerade mehr Windstrom produziert wird, als die überregionalen Stromnetze aufnehmen können. Insgesamt haben 13 Haushalte des Lübke-Koogs nun eine solche Hybridheizung aus modernem Öl-Gerät und elektrischem Wärmeerzeuger. Gemeinsam bilden sie damit die Wind-und-Wärme-Modellregion Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog. Die ist einzigartig in Deutschland und wurde kürzlich als „Klimaaktive Kommune 2019“ ausgezeichnet. Die nordfriesische Gemeinde gewann in der Kategorie „Ressourcen- und Energieeffizienz in der Kommune“. Der Preis, den das Bundesumweltministerium und das Deutsche Institut für Urbanistik vergeben haben, war mit 25.000 Euro dotiert.

Im Heizungsraum von Bürgermeister Christian Nissen steht eine Hybridanlage: Damit auch die Windenergie aus dem Bürger-Windpark zum Heizen genutzt werden kann, wurde das Heizsystem um ein strombetriebenes Modul ergänz, das immer dann immer dann den Wärmespeicher aufheizt, wenn gerade mehr Windstrom produziert wird, als die überregionalen Stromnetze aufnehmen können. Foto: IWO

Weitere Infos gibt es auf www.wind-und-waerme.de und www.zukunftsheizen.de.

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