Denkschubser   |   

Man löst keine Probleme, indem man sie aufs Eis legt.    Sir W. Churchill

12.12.2019

Meldung

14.08.2019: Das Leben ist zum Leben da

Johannes D. Hengstenberg * 12.8.1944 † 11.8.2019

Wir trauern um unseren Gründer Dr. Johannes Hengstenberg, der im Alter von 74 Jahren überraschend verstorben ist.

Unser offizielles Kennenlernen dauerte maximal fünf Minuten. „So machen wir das.“ Unsere Zusammenarbeit wurde mit kräftigem Handschlag besiegelt und mit Grappa begossen. Deine Entscheidungen kamen intuitiv aus Dir heraus. Oft warst Du Deiner Zeit dabei voraus. Im Jahr 2000 warst Du der Erste, der mit einem Online-Check (oder auch Ratgeber genannt) im Bereich Energie und Klima startete. Heute ist dies von keiner Website wegzudenken.

2006 folgte die erste Version des Energiesparkontos. Gemeinsam mit Deinem Weggefährten Günter Alt habt ihr auf der Terrasse ein Monitoringtool für jedermann entworfen und stolz als ZDF-Wiso-Energiesparkonto den Zuschauern präsentiert. Im Hintergrund hatte Dein Team schlaflose Nächte. Würden die Server standhalten, würden die Programmierer fertig? Wie immer hatte es vorher viele „Neins“, „Ohs“, „Das geht doch nicht“ gegeben. Aber das galt für Dich nicht. Dein Fokus war auf „Das geht“. Inspirierend und erschöpfend zugleich für Dein Umfeld – nicht selten unbequem, garantiert immer aufreibend. Aber ist das nicht immer so bei Menschen, die wirklich etwas bewegen? Ja, so ist das!

Ich habe Dich immer dafür bewundert, wie Du Kritiker und nicht selten ihre verletzende Kritik beiseite geschoben hast. Nach Deinem Motto „I don’t want a piece of cake, I want the whole fucking bakery“ stecktest Du voller Energie, voller Tatendrang, hast Dich nicht bremsen lassen. Dein Herzensthema – wirksamer Klimaschutz – trieb Dich an. „Ich möchte keine Illusion von Klimaschutz erzeugen. Wir brauchen den Realitätsbezug.“ Es gab und gibt keine Zeit zu verlieren. Nutzerzahlen, Datenauswertungen und die Gespräche mit Partnern waren Deine Luft zum Atmen. Wie oft saßt Du nächtelang an Deinem Rechner – und natürlich auch an Heiligabend – und schautest Dir entzückt die neuesten statistischen Kurven aus unserer Datenbank an. Schnell noch die aktuellsten Erkenntnisse per E-Mail mit Dropbox-Link an Deine Partner gesendet und zufrieden aufs Fahrrad gestiegen und zum Vietnamesen gedüst. Der perfekte Moment.

Dein Leben war intensiv und aufregend. Ich glaube, andere hätten dafür mindestens fünf Leben gebraucht. Du konntest ganze Restaurant-Abende damit füllen. Bilder, wie damals Dein VW-Bully die Fährenrampe runterrollte – mit Deinen beiden kleinen Söhnen im Auto und Dir davor – haben sich in mein Gedächtnis eingebrannt. Aber irgendwie ist es immer gut gegangen. So wie auch Deine ambitionierten Radfahrten durch die Berliner City. Die nicht eingehaltenen Verkehrsregeln waren die kleineren Sorgen im Vergleich zu aufgebrachten Autofahrern, denen Du nur wegen Deiner guten Kondition entwischen konntest und die Dir mit sonst was drohten. Nochmal gut gegangen.

Du liebtest es, von einem Termin zum nächsten zu eilen – quer durch die Republik per Bahn. Gern in roten Socken. Oft sah ich die erstaunten Blicke Deiner Gesprächspartner. Das Staunen hielt oft an, wenn sie Deinen Ausführungen lauschten und Deine Energie spürten. Dein Netzwerk wurde jeden Tag größer. Durch Deinen Einsatz kamen Akteure zusammen, die zuvor noch nie miteinander gesprochen hatten und nun gemeinsame Geschäftsideen vorantreiben. Dir ging es dabei nie um das Finanzielle, auch wenn Du sagtest „Wir gehen jetzt auf Beutezug!“. Du wolltest etwas schaffen, etwas besser machen und einen Impact leisten. Nicht reden, machen. Oft auch ohne detailliertes Konzept oder wochenlange Analysen. Du hattest einfach Mut.

Trotz Deiner ganzen Ideen und Projekte war immer Platz für viel Leichtigkeit in Deinem Leben. Kino-Festivals, neueste Literatur oder kurze Abstecher zu Deinem geliebten Manufaktum waren immer fester Bestandteil. Dein Boot in Italien oder das Schifffahrtsmuseum in Barcelona waren Orte der Inspiration für Dich. Bis zum Schluss hast Du an Deinem Boot gewerkelt, bis Dein Herz Dir sagte: „Nun ist es gut, Johannes!“

Wenn ich abends verzweifelt am Schreibtisch saß, stecktest Du Deinen Kopf durch die Tür, hörtest zu, hattest Lösungen parat und sagtest: „Tanja, let’s call it a day“. Ja, so machen wir das, Johannes. Du fehlst.

Tanja Loitz
Geschäftsführerin co2online und Partnerin in Crime von Johannes

PS: Jetzt muss ich das Buch „101 Gespräche für den Klimaschutz“ allein schreiben. Aber so ist es irgendwie, wir waren halt nie fertig.

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