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Die Zeit ist eine Uhr ohne Ziffern.    Ernst Bloch

19.04.2019

Meldung

06.02.2019: ACO Haustechnik: Rückstau - Die unterschätzte Gefahr aus dem Kanal

Rückstausicherungen helfen Schäden zu vermeiden

Der neue Rückstauverschluss für fäkalienfreies Abwasser ACO Triplex von ACO Haustechnik, hier mit Nennweite DN 50 eingebaut in einer frei liegenden Rohrleitung. Bildquelle: ACO Passavant GmbH

Die öffentliche Kanalisation gehört zu jenem Teil der kommunalen Infrastruktur, die in der Bevölkerung meist nur dann wahrgenommen wird, wenn sie überlastet ist. Denn nur dann wird sie "sichtbar": in Form ausgehobener und übersprudelnder Schachtdeckel, angesichts vollgelaufener Keller und überfluteter Innenstädte. Die Feuerwehr ist im Dauereinsatz, die Befürchtung hoher Sachschäden ist akut, und schnell drängt sich die Frage auf, wer die Verantwortung trägt und für die Kosten aufkommen muss.

Kanalindizierte Überflutungen entstehen in unmittelbarer Folge von Starkregen, bei dem es sich gar nicht immer um ein Jahrhundertereignis handeln muss. Insbesondere in den Sommer- und Herbstmonaten tritt häufig so vehementer Regen mit derart großen Niederschlagsmengen auf, dass die Kanalisation an die Grenze ihrer Aufnahmefähigkeit gelangt. Die Beseitigung der Schäden an Infrastruktur und privatem Wohneigentum verursacht enorme Kosten. Laut Angaben der Sächsischen Landesregierung meldeten beispielsweise 378 der 438 sächsischen Kommunen (86%) Schäden infolge des Juni-Hochwassers 2013. Der Gesamtschaden wurde damals allein in Sachsen auf mehr als 2,4 Milliarden Euro beziffert.
Plötzlicher Starkregen birgt die Gefahr einer Überlastung der Kanalisation. Ist die Kapazität der Kanalschächte erschöpft, fließt das Wasser in die umliegenden Gebäude zurück. Bildquelle: ACO Passavant GmbHPassiver Rückstauschutz mittels Rückstauverschluss. Die Anforderungen an Rückstauverschlüsse für Gebäude sind in der DIN EN 13564 definiert. Bildquelle: ACO Passavant GmbH
Um die negativen Auswirkungen der statistisch gesehen immer häufiger auftretenden Starkregenereignisse einzudämmen, wird an unterschiedlichen Lösungsansätzen gearbeitet.

Einer der Ansätze besteht in der Einführung von app-gestützten Frühwarnsystemen, die Pegelstände und Unwetterwarnungen an die Bürger senden. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) warnt in 2 Stufen vor solch großen Niederschlagsmengen, die meist sehr lokal auftreten. Ab einer Regenmenge von 15 l/qm in 1 Stunde werden sogenannte "Markante Wetterwarnungen" ausgegeben, sprich Unwetterwarnungen mit entsprechend höheren Werten.

Auch für die Dimensionierung von Stadtentwässerungsnetzen werden die statistischen Auswertungen des DWD zu Starkregenereignissen in der jeweiligen Region genutzt. Aus wirtschaftlichen Gründen können Entwässerungssysteme jedoch nicht so ausgelegt werden, dass bei Auftreten von Starkregen ein absoluter Schutz vor Überflutung gewährleistet ist. Und außerdem führen nicht nur Starkregenereignisse, sondern auch Querschnittsverengungen –  die durch Ablagerungen oder Verstopfungen im Kanalsystem entstehen –, Rohrbrüche und Pumpenausfälle im öffentlichen Kanalsystem dazu, dass das Abwasser nicht mehr so schnell wie erforderlich abfließen kann und sich dadurch über die Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene wie z.B. Bodenabläufe, Waschbecken, WCs, Waschmaschinen und Duschen in das Gebäude zurückstaut. Die Räume unterhalb der Rückstauebene werden bereits dann schon überflutet, bevor es für die Öffentlichkeit durch angehobene Schachtdeckel und überflutete Straßen überhaupt sichtbar wird. Sind Entwässerungsgegenstände unterhalb der Rückstauebene vorhanden, erweisen sich sorgfältig ausgewählte technische Barrieren in Form von Hebeanlagen und Rückstauverschlüssen als die beste Vorsorge gegen eindringendes Wasser durch eine überlastete Kanalisation.

Normen und rechtliche Grundlagen

Bei der Planung, Ausführung und Wartung von Rückstausystemen sind eine Reihe von technischen Regeln sowie die lokale Entwässerungssatzung zu beachten. Die Normen sind anerkannten Regeln der Technik und unterstützen bei der Bedarfsermittlung und Auswahl der richtigen Barriere gegen Rückstau aus dem Kanal.

MaACO Kellerablauf Junior mit Rückstauverschluss für fäkalienfreies Abwasser – zum Einbau in die Bodenplatte. Bildquelle: ACO Passavant GmbHßgebend für Rückstauschutz sind die Normen DIN EN 12056 und DIN 1986-100. Sie regeln die grundsätzliche Planung und Dimensionierung von Entwässerungsanlagen innerhalb von Gebäuden. DIN 1986-100 ist zusätzlich bis zur Grundstücksgrenze gültig. Für die Grundstücksentwässerung gilt die Normenreihe DIN EN 752 "Entwässerungssysteme außerhalb von Gebäuden“. Ihr Geltungsbereich erstreckt sich von der Gebäudeperipherie bis zum Klärwerk und ist damit überwiegend auf die kommunale Entwässerung zugeschnitten.

Gemäß DIN EN 12056 und DIN 1986-100 sind Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene durch aktive Rückstausicherungen, also automatisch arbeitende Abwasserhebeanlagen mit Rückstauschleife, gegen Rückstau aus dem Kanal zu sichern.

Passive Rückstausicherungen, also Rückstauverschlüsse können verwendet werden, wenn alle folgenden Kriterien erfüllt sind:

  • Das Abwasser muss im natürlichen Gefälle abgeführt werden können
  • Die Räume müssen von untergeordneter Nutzung sein, d.h. keine wesentlichen Sachwerte oder die Gesundheit der Bewohner dürfen bei Überflutung der Räume beeinträchtigt werden
  • Der Benutzerkreis muss klein sein und diesem muss ein WC oberhalb der Rückstauebene zur Verfügung stehen
  • Bei Rückstau kann auf die Benutzung der Ablaufstelle verzichtet werden

Abweichend dazu können die lokalen Entwässerungssatzungen zusätzliche Bedingungen enthalten, die die Produktauswahl übergeordnet einschränken. Warum die Vorgaben aus der Norm und den Entwässerungssatzungen so strickt sind, leitet sich aus der Erfahrung hinsichtlich der vorgeschriebenen Wartungsarbeiten ab. Da es sich um technische Anlagen handelt, sind regelmäßige und sorgfältige Wartungsarbeiten unbedingt durchzuführen. Die Regeln für Betrieb und Wartung von Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke sind in der DIN 1986-3 festgelegt.

Der neue Rückstauverschluss für fäkalienfreies Abwasser ACO Triplex von ACO Haustechnik, hier mit Nennweite DN 100 eingebaut in einem bauseitigen Schacht. Bildquelle: ACO Passavant GmbHIn der Praxis bedeutet das: Rückstausysteme müssen zwar ständig funktionsfähig sein, sind aber nicht wie etwa Dusche oder Heizung – täglich im Gebrauch und vor Augen. Fällt beispielsweise eine Abwasserhebeanlage aufgrund mangelhafter oder unterlassener Wartung aus, so wird der Fehler schnell erkannt und nur das eigene Abwasser nicht abgepumpt. Der Schaden hält sich in Grenzen und Rückstauschutz ist weiterhin gegeben. Der Ausfall eines Rückstauverschlusses, aufgrund mangelhafter oder unterlassener Wartung, wird meist erst bei einem Rückstaufall erkannt. Zu spät, denn ein Schutz gegen Rückstau ist dann nicht mehr gegeben. Und so stellt sich im Schadensfall meist unerwartet die Frage der Haftung.

Der Bundesgerichtshof urteilte folgendermaßen und unterstreicht damit, dass umfassender Rückstauschutz Privatsache ist und in der Verantwortung der Hausbesitzer, Bauherren oder Altbausanierer liegt: Bei einem Rückstauschaden haftet die Gemeinde trotz unterdimensionierter Kanalisation nicht aus Amtshaftung oder aus öffentlich-rechtlichem Schuldverhältnis, wenn der Grundstückseigentümer entgegen der Entwässerungssatzung keine eigene Rückstausicherung eingebaut hat.

Lösungen für umfassenden Rückstauschutz

Die Auswahl der richtigen Lösung für den Rückstauschutz erfolgt in erster Linie nach den Maßgaben der Einbausituation und anhand technischer Leistungsmerkmale. Das Augenmerk sollte jedoch nicht nur auf den Produkteigenschaften, sondern auch auf dem weiteren Leistungsspektrum des Anbieters liegen. Hier zu nennen wären neben einem umfangreichen Sortiment auch ein individueller Beratungs-, Planungs- und Berechnungsservice, ein verlässlicher und kompetenter Kunden- und Außendienst sowie die umfassende Produktdokumentation in gedruckter Form und online. Zu den führenden Systemanbietern gehört ACO Haustechnik mit seinem umfassenden Portfolio normgerechter aktiver und passiver Rückstausysteme.

Hinsichtlich Technik und Einbau gilt es bei der Auswahl der richtigen Rückstausicherung vier grundsätzliche Fragen zu berücksichtigen bzw. zu beantworten:

1. Besteht ein Gefälle von der Entwässerungsebene zum Kanal oder liegt die Ebene unterhalb der Kanalisation?

2. Welche Bereiche sind zu schützen? Handelt es sich um Räume von untergeordneter Nutzung (keine Sachwerte, z.B. einfache Lagerräume) oder um Räume mit Sachwerten (z.B. Vorratslager, Technikräume)?

3. Kann auf die Ablaufstelle während eines Rückstaus verzichtet werden oder muss die Abwasserableitung durchgängig gewährleistet sein (z.B. bei Räumen mit Fettabscheidern, fremdvermietete Einliegerwohnung)?

4. Fließt in dem zu sichernden Rohrbereich fäkalienfreies oder fäkalienhaltiges Wasser, d.h. befinden sich im Keller nur Waschmaschine und Waschbecken oder auch eine Toilette?

Passiver Rückstauschutz durch Rückstauverschlüsse

ACO Quatrix-K für fäkalienhaltiges Abwasser. Bildquelle: ACO Passavant GmbHKönnen alle oben genannten Kriterien erfüllt werden, dürfen Rückstauverschlüsse eingesetzt werden. Die Schutzwirkung entsteht durch Verschluss der Rohrleitung, wodurch das Eindringen von rückstauendem Abwasser verhindert wird. Das Produktportfolio des Entwässerungsspezialisten ACO Haustechnik umfasst für diesen passiven Rückstauschutz Produkte aus Kunststoff, für fäkalienfreies und fäkalienhaltiges Abwasser sowie für freiliegende und nicht freiliegende Rohrleitungen. Ausschlaggebend für die Auswahl muss immer das durchfließende und nicht das rückstauende Abwasser sein. Alle Rückstauverschlüsse entsprechen der Produktnorm für Rückstauverschlüsse, der DIN EN 13564. Beispielsweise sind neben Temperaturbeständigkeit auch ein Rückstaudruck auf die Klappen mit maximal 0,5 bar eine zu erfüllende Prüfanforderung.

Wenn unterhalb der Rückstauebene eine Toilette liegt, kommt der Rückstauautomat ACO Quatrix-K Typ 3F zum Einsatz, hier freiliegend in der Rohrleitung verbaut. Bildquelle: ACO Passavant GmbHBei fäkalienhaltigem Abwasser empfiehlt sich der ACO Quatrix-K. Er eignet sich für den Einbau in die Bodenplatte oder in freiliegende Rohrleitungen. Die Rückstauerkennung erfolgt durch ein pneumatisches Messsystem, bei dem der Drucksensor nicht mit Abwasser in Berührung kommt. Die Steuerung ist anschlussfertig und ohne Elektrofachkraft anschließbar. Zur Auswahl stehen die Nennweiten DN 100, 125 und 150. Die einfachste Lösung bei fäkalienfreiem Abwasser ist der Kellerablauf ACO Junior mit integriertem Rückstauverschluss. Er eignet sich durch seine kompakten Produktmaße perfekt für die Sanierungen. Schlammeimer und Rückstaueinheit sind werkzeuglos montier- und demontierbar. Er ist geprüft gemäß DIN EN 1253-1 sowie EN 13564.

Die Premium-Lösung für fäkalienfreies Abwasser ist der seit vielen Jahren bewährte Doppelrückstauverschluss ACO Triplex. Er eignet sich für fäkalienfreies Abwasser und ist dank seiner geringen Ausmaße auch zum nachträglichen Einbau in vorhandene Schächte. Dieser Klassiker unter den Rückstauverschlüssen wurde zuletzt einer umfassenden Überarbeitung und Verbesserung unterzogen. Alle Innovationen und Optimierungen kommen der Handhabung und Wartung zugute. ACO Triplex ist werkzeuglos bedienbar und in den Nennweiten DN 50, 70, 100, 125 und 150 sowie als Typ 0, 1 und 2 verfügbar.
Der neue Rückstauverschluss ACO Triplex, hier Typ 2 mit DN 50, besitzt 2 Pendelklappen und einen innovativen (zum Patent angemeldeten) Notverschluss: Er liegt im geöffneten Zustand auf dem Gehäusedeckel auf und wird zum Verschließen einfach hoch gezogen (SDer Zulauf als Muffe und der Ablauf als Spitzende der neuen Rückstauverschlüsse ACO Triplex (hier Typ 2 mit DN 100) erlauben eine flexible Gestaltung der Rohranschlüsse. Das moderne Design mit glatten Oberflächen vermeidet schwer zu reinigende Schmutzecken
Aktiver Rückstauschutz durch Abwasserhebeanlagen

Auch bei den Aktiv-Rückstausicherungen unterscheidet man die Anlagentypen nach Art des Abwassers, nämlich ob fäkalienfreies oder fäkalienhaltiges Abwasser gehoben werden soll. Neben der Beschaffenheit des Abwassers ist die Förderhöhe und der vorgesehene Einbauort ein wichtiger Punkt bei der Wahl des richtigen Produkts. Im Normalfall sind Abwasserhebeanlagen mit einer einzelnen Pumpe ausgestattet. Darf der Abwasserzufluss, bzw. die Abwasserableitung während des normalen Betriebes nicht unterbrochen werden, ist nach EN 12056-4 eine Hebeanlage mit einer zweiten Pumpe (Duo-Hebeanlage, Doppel-Anlage) mit gleicher Leistungsfähigkeit vorzusehen. Dies ist beispielsweise immer der Fall bei der Entwässerung tiefliegender Bereiche von Mehrfamilienhäusern, Büros, Gewerbebauten, Krankenhäusern oder von Abwässern aus Abscheideranlagen. Doppelanlage heißt hier nicht, dass zwei Pumpen permanent gleichzeitig laufen. Vielmehr werden diese Anlagen bzw. Pumpstationen so betrieben, dass die Pumpen immer wechselseitig arbeiten und dadurch gleichmäßig beansprucht werden.

Die Lösung für fäkalienhaltiges Abwasser sind die Hebeanlagen der Baureihe ACO Muli-Star, als Mono oder Duo-Ausführung. Sie sind kompakt, leistungsstark und auch für schwierigste Einbausituationen geeignet. Abhängig von der Art des Betriebs gibt es Anlagen mit einem Nutzvolumen von 25 l bis zu 185 l.
ACO Pumpstationen sind nach dem Baukastenprinzip aufgebaut: Belastungsklasse, Steuerung, Art der Niveaumessung, Pumpentyp und diverse Zubehörteile können frei gewählt werden. Ist ein bauseitiger Schacht bereits vorhanden oder soll dieser saniert werden, erweist sich das flexible ACO Powerlift Einbauset als die optimale Lösung.

Alle Hebeanlagen und Pumpstationen vereinen hohe Betriebssicherheit, kompakte Maße und einfache Montage. Darüber hinaus zeichnen sie sich durch Bedienungs- und Wartungsfreundlichkeit sowie ihre lange Lebensdauer aus.

Die richtige Auslegung einer Hebeanlage oder Pumpstation für ein Bauvorhaben war in der Vergangenheit eine sehr aufwändige Angelegenheit. Sie verlangte viele Berechnungen und große Erfahrung seitens der Planer. Die Änderung eines einzigen Parameters erforderte oft die komplette Überarbeitung der Auslegung. Mit dem Auslegungstool für Abwasserhebeanlagen und Pumpstationen von ACO Haustechnik gehört dieser Aufwand der Vergangenheit an. Das Tool übernimmt die Berechnungen in Echtzeit und stellt die Ergebnisse nachvollziehbar und übersichtlich dar. Zum Service von ACO Haustechnik gehören weiterhin kontinuierliche Schulungs- und Weiterbildungsangebote speziell zum Thema Rückstau. Der Katalog „Schutz vor Rückstau. Rückstausysteme und Hebeanlagen“ ergänzt das Informationsangebot zusätzlich um eine übersichtliche, anschauliche und vollständige Dokumentation – einschließlich Auswahlhilfen und Einbauanleitungen aller Rückstauverschlüsse und Hebeanlagen.
Katrin Kropp, Produktmanagerin Rückstau ACO Haustechnik. Bildquelle: ACO Passavant GmbH
Autor: Katrin Kropp, Produktmanagerin Rückstau ACO Haustechnik.

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