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Die Alten glauben alles, die mittleren Alters bezweifeln alles, die Jungen wissen alles.    Oscar Wilde

11.07.2020

Meldung

25.06.2020: Raab-Gruppe: Einzelraumfeuerstätten - Mögliche Emissionsminderung durch ganzheitliche Betrachtung

Ein Interview zum Stand der Technik
Dipl.-Ing. Rolf Wagenfeld geschäftsführender Gesellschafter der Raab-Gruppe

Je nach Konstellation und Art der Feuerstätte wirken sich Nutzerverhalten, Brennstoffqualität, Technik sowie ständig wechselnde äußere (Witterungs-)Einflüsse auf den Betrieb aus. Dies betrifft auch das Emissionsverhalten. In diesem Zusammenhang sprachen wir mit Dipl.-Ing. Rolf Wagenfeld. Er ist geschäftsführender Gesellschafter der Raab-Gruppe.

Redaktion: Herr Wagenfeld, feste Brennstoffe wie Holz oder Pellets wurden in modernen Feuerstätten noch nie so sauber und effizient verbrannt wie heute. Mit Holz als Brennstoff wird ein regenerativer, klimaschonender Energieträger genutzt. Trotzdem gibt es Kritik. Worauf muss bei dem Betrieb von Einzelraumfeuerstätten noch geachtet werden?

R. Wagenfeld: Beste Ergebnisse hinsichtlich Effizienz und sauberer Verbrennung erreicht man bei einem gleichmäßigen und störungsfreien Betrieb von Feuerstätte und Schornstein. Bei modernen Wärmeerzeugern mit automatischer Brennstoffversorgung sowie Steuerung des Verbrennungsprozesses muss der Betreiber selbst nicht mehr viel tun. Von zentraler Bedeutung ist aber eine hohe Qualität des naturbelassenen Brennstoffs Holz. Ebenso wichtig ist die gute Kenntnis des Betreibers, was die Bedienung einer Holzfeuerstätte und das Abbrandverhalten betrifft. Ein weiterer Einflussfaktor sind die Druckschwankungen in Abgasanlagen bei Feuerstätten mit Naturzug. Sie entstehen beispielsweise durch die wechselnden Abgastemperaturen während der Brandphasen und den ständig schwankenden Außen- und Umgebungstemperaturen an der Abgasanlage. Zudem beeinflussen die permanent wechselnden Windströmungen am Gebäude oder an der Schornsteinmündung die Druckverhältnisse.

Redaktion: Was kann man abgasseitig tun, also nach der Verbrennung?

R. Wagenfeld: Rund um die Feuerstätte gibt es viele Schnittstellen, die leider häufig isoliert betrachtet werden. In der ganzheitlichen Betrachtung des Systems „Verbrennungsluft – Ofen – Schornstein“ liegt jedoch eine große Chance zur Minderung von Emissionen. Ich nenne die abgestimmte Funktion gerne „intelligenter Schornstein“. Dazu ein kleines Beispiel:

Ein neuer zertifizierter Ofen wird an einen bestehenden Schornstein angeschlossen. Dieser hat bereits eine gewisse Höhe mit lichtem Querschnitt und einer vorgegebenen Bauart.

Mit Austausch der Feuerstätte gilt es nun, die übrigen Schnittstellen neu zu prüfen bzw. zu optimieren, um die notwendigen stabilen Verhältnisse – im Bereich Druck, Schornsteinzug und der Verbrennungsluftzufuhr – für eine gute Verbrennungsqualität mit niedrigen Emissionen sicherzustellen.

Redaktion: Wie können diese Anforderungen von Zuluft und Abgassystem seitens der Feuerstätte erfüllt werden? Wie kann die Technik helfend eingreifen?

R. Wagenfeld: Grundlage ist eine gute Verbrennungstechnik – je sauberer, desto ressourcenschonender. Danach unterstützen sogenannte Sekundärmaßnahmen im Abgasweg nachweislich den Verbrennungsprozess durch Reduzierung der Störfaktoren. Dies sind der Reihenfolge nach Verbrennungsluftklappen und Abbrandregelungen (vor der Verbrennung), danach in erster Linie Nebenlufteinrichtungen (Zugbegrenzer). Sie gewährleisten den richtigen, vorgegebenen Zugbedarf der Feuerstätte. Dasselbe gilt für eventuell notwendige Abgasventilatoren bzw. Rauchsauger. Sie sichern ebenfalls einen stabilen Schornsteinzug – vor allem in der Anheizphase. All das funktioniert nahezu autark und ohne Eingreifen des Betreibers. Diese Komponenten werden meist im Abgasweg installiert und erweitern „intelligent“ die Funktion des Schornsteins.

Redaktion: Der ordnungsgemäße Betrieb einer Feuerstätte wird aber auch vom Betreiber und vom eingesetzten Brennstoff beeinflusst. Zudem können nicht alle Öfen bzw. Feuerstätten gegen neue ausgetauscht werden. Mit welchen Komponenten kann hier unterstützt werden?

R. Wagenfeld: (Fein-)Staub kann durch elektrostatische Partikelabscheider massiv reduziert werden. Entsprechende Lösungen stehen im Markt seit vielen Jahren zur Verfügung. So hat unser Tochterunternehmen Kutzner & Weber mit ständiger Forschung und Entwicklung Pionierarbeit geleistet. Die Branche verfügt heute über große Kompetenz in allen Belangen der genannten Schornsteinfunktionen und der reinigenden Abgasnachbehandlung. Es ist dabei notwendig, gezielt auf die individuellen Anforderungen vor Ort einzugehen.

Redaktion: Was bedeutet dies für den Betreiber beziehungsweise Nutzer? Welche Möglichkeiten sehen Sie, die vorhandenen Optionen stärker in den Fokus zu rücken?

R. Wagenfeld: Meines Erachtens interessiert den Betreiber neben dem Feuergenuss und der angenehmen Wärmeerzeugung die Zukunftsfähigkeit seiner Feuerstätte. Das gilt unabhängig davon, ob es sich um einen Neukauf oder um ein vorhandenes Gerät handelt. Die Herausforderung liegt in der Beratung vor Ort, beim Schornsteinfeger- und dem Ofenbauerhandwerk. Es gilt, den Wünschen des Kunden und gleichzeitig den Anforderungen der Bundesimmissionsschutzverordnung (BImSchV) gerecht zu werden. Holz steht für Behaglichkeit, gilt als nahezu CO2-neutral und wird in etwa jedem vierten Haushalt in Deutschland eingesetzt. Trotz aller positiven Aspekte entstehen bei der Verbrennung Emissionen. Damit diese gemindert werden, sollten sich alle Marktteilnehmer dem Thema Luftreinhaltung gemeinsam stellen.

Nachhaltigkeit und regionale Verfügbarkeit des Energieträgers Holz sowie ein geringer Verarbeitungsaufwand sind zusätzliche positive Argumente, die viel mehr kommuniziert werden sollten.

Redaktion: Worauf ist also bei der Planung beziehungsweise in der Beratung zu achten?

R. Wagenfeld: Komponenten sinnvoll in die Anlage einzubinden, ist ein wichtiger Punkt. Feuerstätten befinden sich überwiegend im Wohnraum und somit in einem sensiblen Bereich, was Optik und Sauberkeit betrifft. Daher spielen der Einbauort und die Gestaltung der Produkte eine große Rolle, damit die Technik akzeptiert wird. So können beispielsweise Feinstaubabscheider mittlerweile im Außenbereich in doppelwandige Schornsteine integriert werden. Für Schornsteine mit keramischem Innenrohr gibt es neuerdings Adaptionen. Zudem stehen Varianten für die Schornsteinmündung zur Verfügung.

Nebenluftvorrichtungen amortisieren sich in etwa zwei Heizperioden und sind im Heizungsbereich seit Jahrzehnten eine etablierte Komponente – für Hersteller und Händler ebenso wie für das SHK-Handwerk. In diesem Produktsegment aus unserem Hause gibt es mittlerweile praktikable und schicke Lösungen für den Wohnraum sowie für den Einbau in doppelwandige Abgasanlagen an der Außenseite des Gebäudes.

Redaktion: Wie können die Hersteller das Handwerk bei der Planung und Auswahl unterstützen?

R. Wagenfeld: Hier kann ich nur für unsere Unternehmensgruppe sprechen. Wir stehen mit dem Handwerk und der Ofenindustrie im ständigen Dialog, um unsere Produkte praxisgerecht und effizient weiterzuentwickeln. Fachfirmen und Händlern stehen wir gerne mit unserem kompetenten Beratungsteam sowohl im Innendienst als auch vor Ort mit unserem Außendienst zur Seite.

Redaktion: Vielen Dank für das Gespräch!

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